Erklärung zum Ukraine-Krieg der Landessynode

Auf ihrer Frühjahrstagung hat die Landessynode eine Stellungnahme zum Ukraine-Krieg veröffentlicht.

In unserer evangelischen Landeskirche in Baden gab es in den letzten Jahren zwei wichtige Weichenstellungen zum Thema Frieden. 2013 hat die Landessynode einen friedensethischen Prozess angestoßen. Alle Bezirkssynoden haben sich danach mit der Frage beschäftigt, wie zivile und gewaltfreie Konfliktbearbeitung mehr Raum bekommen können. 2015 hat unsere Kirche sich dem ökumenischen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens angeschlossen. Diesen hat der Ökumenische Rat der Kirchen begonnen, dem weltweit über 370 Kirchen angehören. Der ökumenische Pilgerweg ist ein fortlaufender Prozess vieler Schritte auf der Suche nach Frieden und der Vernetzung aller, die sich für ihn einsetzen.
 
Von dieser Vorgeschichte und dem Weg zu einem gerechten Frieden ist die Stellungnahme geprägt, die unsere Landessynode in ihrer Frühjahrssynode beschlossen hat. Sie klagt die Fortsetzung diplomatischer Bemühungen ein und gibt die Hoffnung auf Verständigung nicht auf, erkennt aber auch das Recht auf Selbstverteidigung an. Der Krieg in der Ukraine hat unsere Haltung als Christinnen und Christen neu herausgefordert.
 
 
Lesen sie nachfolgend die Erklärung der Landessynode:
 
„Richte unsere Schritte auf den Weg des Friedens“ (Lk. 1, 79)
 
Die Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden verurteilt mit aller Entschiedenheit den Angriff der russischen Armee auf die Ukraine. Sie ist entsetzt über das Ausmaß der Zerstörung und der Gewalt. Der Krieg führt zu fürchterlichem Leiden unter der Zivilbevölkerung in der Ukraine und unter den Menschen, die auf beiden Seiten kämpfen müssen oder wollen. Die Invasion Russlands ist ein Bruch des Völkerrechts und durch nichts zu rechtfertigen. Der Krieg vernichtet das Leben vieler Menschen in der Ukraine, bedroht die zivile Weltordnung und das friedliche Zusammenleben der Menschen auf der Grundlage des Völkerrechts. Infolge der anhaltenden Aggression der russischen Armee führen Ernährungsengpässe insbesondere für die Ärmsten und Schwächsten weltweit zunehmend zu Hunger und Not. Die Landessynode fordert die russische Regierung auf, die Kampfhandlungen sofort einzustellen, ihre Truppen unverzüglich aus der Ukraine abzuziehen und weiteres Blutvergießen zu verhindern. 

Die Landessynode weiß sich allen Kriegsopfern verbunden, insbesondere den Menschen in der Ukraine. Sie ist dankbar für die vielen Engagierten auch in der badischen Landeskirche, die den geflüchteten Menschen helfend zur Seite stehen. Sie leisten humanitäre Hilfe, setzen Zeichen der Solidarität und zeigen ihre Verbundenheit im Gebet. Mit großer Achtung und Respekt schaut die Landessynode auf alle, die in Russland mutig gegen den Krieg protestieren oder sich weigern, daran teilzunehmen.

Die Evangelische Landeskirche versteht sich als eine Kirche auf dem Weg zum gerechten Frieden. Auf diesem Hintergrund fordert sie eindringlich, diplomatische Wege offenzuhalten und intensiv zu nutzen, um mit friedlichen Mitteln Wege zum Frieden zu finden. 

Die Landessynode achtet das Recht auf Selbstverteidigung der Ukraine. Auf dieser Grundlage kann sie die Entscheidung der Bundesregierung nachvollziehen, gemeinsam mit anderen Nationen neben finanzieller und humanitärer Unterstützung auch Waffen für die Verteidigung der Ukraine zu liefern. Sie bringt zugleich ihre Sorge zum Ausdruck, dass Waffenlieferungen die Gefahr einer weiteren Eskalation des Krieges mit sich bringen können. 

Die Landessynode fühlt sich durch die Invasion der russischen Armee in der Ukraine und den weiter andauernden Krieg herausgefordert und verpflichtet, ihre friedensethischen Grundentscheidungen der vergangenen Jahre erneut aufzugreifen und kritisch zu diskutieren.  

Die Landessynode bittet die Landesbischöfin und den Evangelischen Oberkirchenrat, die kirchlichen Kontakte in die Ukraine und nach Russland intensiv zu nutzen, um die Kräfte zu stärken, die sich für den Frieden einsetzen.  

Die Landessynode bittet die Gemeinden der Evangelischen Landeskirche in Baden, in Fürbitte und Gebet auch weiterhin insbesondere die Menschen der Liebe Gottes anzuvertrauen, die unter Krieg und Vertreibung leiden. Sie dankt für alle Zeichen der Solidarität und den Mut, der sich dem Unrecht und der Gewalt entgegenstellt.  

Die Landessynode ermutigt die Gemeinden, Dienste und Werke, sich auch weiterhin vor Ort für geflüchtete Menschen einzusetzen und ihnen die notwendige Hilfe zukommen zu lassen. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen im Bereich der schulischen Versorgung oder der Kindertagesstätten, die seelsorgliche Begleitung der Geflüchteten sind ebenso wichtig wie konkrete Hilfen im Alltag.

Mit der Barmer Theologischen Erklärung erinnert die Landessynode in der „noch nicht erlösten Welt“ an „Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit“ und damit an die „Verantwortung der Regierenden und Regierten“ für das Zusammenleben der Menschen in Frieden und Gerechtigkeit. Sie vertraut darauf, dass Gott insbesondere die Verantwortlichen in der Politik auf allen Seiten lenkt, Wege zu finden, den Krieg schnell zu beenden. Die Landessynode teilt mit der Christenheit weltweit die österliche Hoffnung, dass die Liebe Christi die Mächte des Todes überwunden hat.