Frieden schaffen mit Waffen?

Wie kann Frieden werden? Die Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks hat ein Thema aufgegriffen, das derzeit viele Menschen beschäftigt. Die Synode mit Vertretern aus den 19 Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Neckar-Bergstraße kam am 10. November in Dossenheim zusammen.

Im Zentrum der Synode stand die friedensethische Position der evangelischen Kirche in Baden. Der Friedensbeauftragte der evangelischen Landeskirche in Baden Stefan Maaß führte die Synodalen in die aktuelle Diskussion ein. 
 
Angriffskrieg stellt bisherige Positionen auf Prüfstand
 
Der Angriffskrieg, den Russland gegen die Ukraine führt, stellt bisherige Positionen auf den Prüfstand. Ist der Einsatz von militärischer Gewalt und Waffen zur Abwehr von Aggressoren gerechtfertigt oder sogar geboten? Ist es nicht vielmehr ein Verbrechen, sich der Gewalt nicht entgegenzustellen? Das Recht auf Selbstverteidigung wird in der evangelischen Kirche als Konsens gesehen, zeigte Maaß auf. Die Synode setzte sich mit Argumenten für und gegen Waffenlieferungen auseinander. Sie teilte die Sorge um weitere Eskalationen oder einen langwährenden Abnutzungskrieg mit immer mehr Opfern und Zerstörung.
 
Es gibt keine einfachen Antworten
 
Frieden ist mehr, als dass die Waffen schweigen, erinnerte Maaß. Welche Weichenstellungen dienen eher dem Frieden? Es gibt weder einfache Antworten noch Patentlösungen, aber sehr viel Ungewissheit. Die Synode setzte sich auch mit der Aufforderung der EKD-Vorsitzenden Annette Kurschus auseinander, die neu zu Verhandlungen und zu einem Vertrauen auf die Macht von Worten aufgerufen hatte. Kritisch wurde gefragt, ob man gegenwärtig überhaupt auf aufrichtige Verhandlungen hoffen kann. Könnten Personen aus afrikanischen oder südamerikanischen Ländern sich als Vermittler anbieten? Welche Möglichkeiten des gewaltfreien Widerstands gibt es? Welche neuen kreativen Ideen werden wach, um dem Frieden Schlupflöcher zu bieten? Was kann Kirche tun? Über diese Fragen haben die Synodalen nachgedacht. 
 
Bemühungen um Frieden dürfen nicht nachlassen
 
Das Gebet um Frieden darf nicht nachlassen, bat Maaß. Ebenso wollen die Gemeinden ihr Engagement für Flüchtlinge aus der Ukraine aufrechterhalten. Bestehende Beziehungen und Partnerschaften sollen weiter gepflegt werden, auch nach Russland. Maaß informierte über das Programm „Jugendliche werden Friedensstifter“, das Jugendliche ermutigt, in Konfliktsituationen gewaltfreie Lösungen zu suchen und auszuprobieren. Maaß stellte auch Materialien für die Friedensbildung in Schulen vor und Projekte, die in Kirchengemeinden durchgeführt werden können. Online finden in der Landeskirche regelmäßig sogenannte Peace Talks statt. Er informierte auch über die Anstrengungen des Ökumenischen Rates der Kirchen mit über 370 Mitgliedskirchen weltweit, Brücken zu bauen und Gesprächskanäle auch nach Russland offen zu halten. In Kleingruppen tauschten Synodale Erfahrungen und Ideen aus, wie Gemeinden konkret zum Frieden beitragen und Flüchtlinge unterstützen können. „In aller Hilflosigkeit, die wir empfinden, ist es gut, etwas tun zu können“, fasste Andreas Pollack, der Vorsitzende der Bezirkssynode zusammen.
 
Weitere Themen
 
Im letzten Drittel wurden die Synodalen über weitere Themen informiert. Bezirksjugendreferentin Carolin Gottfried lud zum YouVent ein, einem großen Jugendtreffen, das im September 2023 in Ladenburg stattfindet. Dekanin Monika Lehmann-Etzelmüller informierte über den aktuellen Stand der zukünftigen Stellen- und Liegenschaftsplanung. Anne Langenbach, Mitglied der Landessynode, informierte über die Frühjahrstagung des Kirchenparlaments. Von der Kirchenleitung nahm der Leiter der Rechtsabteilung, Kai Tröger-Methling, an der Bezirkssynode teil und feierte mit den Synodalen zu Beginn eine Andacht.