Pax Christi: Friedenskonferenz in Heidelberg


General a.D. Harald Kujat  

Ehemaliger  Generalinspekteur  der  Bundeswehr  und  Vorsitzender  des NATO-
Militärausschusses,  in  dieser  Funktion  auch  Vorsitzender  des  NATO-
Russlandrates und der NATO-Ukraine-Kommission der Generalstabschefs.
 
General  a.D.  Harald  Kujats  Vortrag  ordnet  den  Ukrainekrieg  als  militärische, 
wirtschaftliche und informationspolitische Auseinandersetzung in den Übergang zu einer 
multipolaren Welt ein, dominiert von der Rivalität USA–China und der Rolle Russlands.  
Kujat skizziert die geopolitische Dynamik seit den 1990er Jahren, den Dissens um NATO-
Erweiterung  und  Ukraine-Neutralität  sowie  die  wachsende  Bedeutung  der  BRICS-
Organisation. Er argumentiert, der Westen habe Chancen zur Konfliktbeilegung – u. a. 2022 
in Istanbul – ungenutzt gelassen und Europa unterschätze bis heute die geostrategischen 
Folgen  seines  Engagements.  Er  plädiert  für  eine  Friedensstrategie,  die  die 
Sicherheitsinteressen beider Seiten berücksichtigt, und warnt vor Eskalationsrisiken und 
der Ausweitung des Krieges.  
Statt militärischer „Autonomie“ fordert er einen starken europäischen Pfeiler in der NATO 
und  eine  Strategie  des  Gleichgewichts.  Dabei  orientiert  er  sich  an  dem  von  Helmut 
Schmidt  entwickelten  Friedenskonzept  als  gesamtstrategischem  Ansatz,  der  ein 
Gleichgewicht der Kräfte mit politischer Stabilität und Abrüstung verband. Indem er das 
Prinzip  der  unteilbaren  Sicherheit  durchsetzte,  stärkte  Schmidt  den  transatlantischen 
Zusammenhalt und übernahm Führungsverantwortung für Europa.  
Für Deutschland leitet Kujat aus dem Grundgesetz drei außen- und sicherheitspolitische 
Säulen  ab:  Beitrag  zu  einem  geeinten  Europa  des  Friedens,  Einordnung  in  kollektive 
Sicherheit  und  verteidigungsfähige  Streitkräfte.  Ziel  sei  eine  stabile  europäische 
Sicherheits-  und  Friedensordnung;  hierfür  müsse  Europa  den  Willen  und  die  Kraft  zu 
geopolitischer  Selbstbehauptung  (politisch,  ökonomisch,  technologisch,  militärisch) 
aufbringen  und  zugleich  Rüstungskontrolle,  Abrüstung  und  Vertrauen  bildende 
Maßnahmen vorantreiben.